Klinikum Vest ist Teil des neuen Netzwerks „RuhrSTIM“ – Zentrum für Tiefe Hirnstimulation und Neuromodulation

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Klinikum Vest ist Teil des neuen Netzwerks „RuhrSTIM“ – Zentrum für Tiefe Hirnstimulation und Neuromodulation

Kräftezehrende Schmerzen über Jahre hinweg, die zittrigen Hände können kein Glas Wasser mehr sicher zum Mund führen, am Ende ist manchmal kaum noch eine Bewegung mehr möglich: Wer unter chronischen Schmerzen oder Parkinson leidet, dem bleibt der normale Alltag in vielen Dingen verwehrt. Das Anfang des Jahres gegründete Netzwerk „RuhrSTIM“ bietet nun aufwändige, aber hilfreiche Behandlungen an: Tiefe Hirnstimulation und andere Formen der sogenannten Neuromodulation.

Das Klinikum Vest ist Teil des neuen Netzwerks „RuhrSTIM“. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aller Knappschaftskrankenhäuser im Ruhrgebiet, die sich dafür einsetzen, Patienten mit neurologischen Bewegungsstörungen (z.B. Morbus Parkinson, Tremor, Dystonie) und Patienten mit chronischen Schmerzen durch eine dauerhafte elektrische Stimulation von Nervengewebe zu therapieren. Durch die klinik- und disziplinübergreifende Zusammenarbeit ist es fortan möglich, den Patienten von der Voruntersuchung und Indikationsstellung über die Implantation bis hin zur Nachsorge eine kompetente Versorgung aus einer Hand anzubieten.

„Ursache für manche chronische Schmerzen oder die Bewegungsstörungen von Parkinson-Patienten sind elektrische Fehlsteuerungen zwischen verschiedenen Hirnarealen“, erklärt Rüdiger Hilker-Roggendorf, Sprecher des Netzwerks RuhrSTIM und Leitender Arzt der Klinik für Neurologie am Behandlungszentrum Paracelsus-Klinik Marl des Klinikum Vest. „Wenn Medikamente oder andere Behandlungsmethoden keine ausreichende Wirkung mehr zeigen, kann die elektrische Stimulation von Nervengewebe (sogenannte Neuromodulation) weiter-helfen und eine deutliche und dauerhafte Verbesserung der Lebensqualität selbst bei fortgeschrittenen und schwer behandelbaren Erkrankungen ermöglichen. Ein Implantat in Hirn oder Rückenmark kann durch die dauerhafte Abgabe von elektrischen Impulsen die Symptome weitgehend unterdrücken“, so der erfahrene Neurologe. 

Allerdings kommt es darauf an, die für diese Therapie geeigneten Patienten sorgsam auszuwählen, sie entsprechend zu beraten und auf die dafür notwendige Operation optimal vorzubereiten. „Denn ein Eingriff in Hirn- und Nervensystem ist keine Alltäglichkeit, erst recht nicht für den Patienten“, so Hilker-Roggendorf.

Gerd Loose ist Parkinson-Patient. Trotz seiner immer höher dosierten Medikamente baute er mehr und mehr ab und konnte sich zuletzt nicht mehr selbständig in seiner Wohnung versorgen. Auf Anraten des Ärzteteams des RuhrSTIM-Netzwerks entschied er sich für die Tiefe Hirnstimulation, also der Implantation eines sogenannten Hirnschrittmachers. Dabei werden feine Elektroden in einer mehrstündigen Operation in das Gehirn eingesetzt, die in der Folge dauerhaft elektrische Impulse in bestimmte Regionen des Gehirns übertragen und die Funktion von erkrankten Hirnstrukturen wieder ins Gleichgewicht bringen. Bei Gerd Loose schlug die Therapie so gut an, dass er derzeit nur knapp ein Zehntel der vorher notwendigen Parkinson-Medikamente benötigt, wieder alleine leben und sogar Auto fahren kann.

Neben Parkinson-Betroffenen kann die Tiefe Hirnstimulation auch geeigneten Patienten mit Tremor (unkontrolliertem Zittern) und Dystonie (unwillkürlichen Verkrampfungen und Fehlhaltungen) helfen. Da zum Behandlungsspektrum des Zentrums „RuhrSTIM“ die gesamte Palette von funktionell-neurochirurgischen Eingriffen gehört, wird auch die Neuromodulation angeboten. Damit kann bei Patienten mit chronischen Schmerzsyndromen eine wirksame und dauerhafte Schmerzlinderung durch die Stimulation von peripheren Nerven, Rückenmark oder Gehirn erreicht werden. Die langfristige Betreuung von Schmerz-Patienten erfolgt vor und nach der Operation durch Fachärzte für Anästhesiologie (Bottrop: Dr. Rainer Michels, Bochum: Dr. Günther Oprea, Dortmund: Dr. Thomas Hofmann, Recklinghausen/Marl: Prof. Dr. Hans-Georg Bone).

Anna Adamski kam nach 12 Jahren Leidensweg aufgrund kräftezehrender Schmerzen im Rücken bis hin in den Fuß nach etlichen Behandlungen zu Dr. Thomas Hofmann, Oberarzt für Spezielle Schmerztherapie am Klinikum Westfalen, in das Knappschaftskrankenhaus Dortmund. Hofmann entschied gemeinsam mit dem Ärzteteam des Netzwerks „RuhrSTIM“ und der jungen Patientin, dass eine Rückenmarksstimulation in diesem Fall eine sinnvolle Behandlungsoption zur lang ersehnten Schmerzlinderung ist. Die zweistündige Operation wurde am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum von Oberarzt Dr. Yaroslav Parpaley durchgeführt. Mit großem Erfolg.  „Der Schmerz war jahrelang wie die erste Geige im Orchester – er war einfach immer da, Tag und Nacht. Heute, bereits kurz nach der Operation, kann ich berichten, dass mein gesundheitlicher Zustand kein Vergleich zu früher ist.“, so Anna Adamski.

„RuhrSTIM“ besteht aus dem Kerntherapiezentrum mit den Knappschaftskrankenhäusern an den benachbarten Standorten in Bochum und Recklinghausen. Letzteres Haus bildet gemeinsam mit der Paracelsus-Klinik in Marl das Klinikum Vest. „Wir freuen uns, den Betroffenen in unserer Region nun die kompetente Behandlung mit der Tiefen Hirnstimulation noch besser und umfassender anbieten zu können“, so Prof. Dr. Rüdiger Hilker-Roggendorf.

Während die Indikationsstellung in allen Kliniken (Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Knappschaftskrankenhaus Bottrop, Klinikum Vest, Klinikum Westfalen) erfolgt, werden die Operationen am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum von Oberarzt Dr. Yaroslav Parpaley und weiteren Kollegen der Neurochirurgischen Klinik sowie in der Klinik für Neurochirurgie in Recklinghausen (Priv.-Doz. Dr. Maximilian Puchner) vorgenommen. Die postoperative Rehabilitation wird in Bottrop angeboten. Um die operative Nachsorge kümmern sich wieder alle Kliniken. Dank des Zusammenschlusses zu einem Zentrum profitiert der Patient von einer einfachen und kurzfristigen Terminvergabe und wird während des gesamten Behandlungszeitraums von den gleichen Ansprechpartnern betreut.
Der Schwerpunkt der Parkinson-Behandlung wird in Bochum durch Priv.-Doz. Dr. Sabine Skodda, Leitende Oberärztin der Neurologischen Klinik, geführt. Die Kliniken für Neurologie und für Anästhesie/Schmerztherapie an den Knappschaftskrankenhäusern in Bottrop und Dortmund (Klinikum Westfalen) nehmen ebenfalls am „RuhrSTIM“-Netzwerk teil. Schwerpunkte sind dort vor allem die Behandlung von Bewegungsstörungen bei Patienten mit Multipler Sklerose (Klinik für Neurologie am Knappschaftskrankenhaus Dortmund, Dr. Ulrich Hofstadt-van-Oy) sowie die Neurologische Rehabilitation (Klinik für Neurologie am Knappschaftskrankenhaus Bottrop, Dr. Reinhold Dux, Oberarzt Thomas Lunke).

Weitere Informationen unter www.ruhrstim.de.

Bildinfo (v.l.): Dr. Thomas Hofmann (Oberarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Klinikum Westfalen), Dr. Ulrich Hofstadt-van Oy (Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Westfalen), Dr. Yaroslav Parpaley (Oberarzt Neurochirurgische Klinik am UK Knappschaftskrankenhaus Bochum), Priv.-Doz. Dr. Sabine Skodda (Leitende Oberärztin Neurologische Klinik am UK Knappschaftskrankenhaus Bochum), Prof. Dr. Rüdiger Hilker-Roggendorf (Leitender Arzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Vest, Standort Paracelsus-Klinik Marl), Thomas Lunke (Oberarzt Klinik für Neurologie am Knappschaftskrankenhaus Bottrop), Dr. Günther Oprea (Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am UK Knappschaftskrankenhaus Bochum) und Prof. Dr. Hans-Georg Bone (Chefarzt Zentrum für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Vest).
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