Arbeitsmedizinisches Institut

Was ist Arbeitsmedizin?

Unter Arbeitsmedizin versteht man die Lehre von den Wechselbeziehungen zwischen Arbeit und Beruf einerseits sowie dem Menschen,seiner Gesundheit und seinen Krankheiten andererseits.Diese Lehre beruht auf dem Studium der physischen und psychischen Reaktionen der Menschen auf Arbeit und Arbeitsumwelt.Arbeitsbedingte Gesundheitsschäden sollen aufgedeckt werden.Aufgabe der Arbeitsmedizin ist es,das Verhältnis Mensch und Arbeit zu harmonisieren.Galt es früher,die Arbeit bzw.den Arbeitsplatz an die Maschine anzupassen,so soll heute der Arbeitsplatz an die Bedürfnisse und ergonomischen Daten der Menschen angepasst werden.

Daraus folgt die Erkenntnis,dass nicht jeder Mensch für jeden Arbeitsplatz geeignet ist.

Die historische Entwicklung der Arbeitsmedizin

Der Begriff Arbeitsmedizin taucht zum ersten Mal 1929 anlässlich einer Sitzung des ständigen internationalen Komitees für Berufskrankheiten und Arbeitshygiene in Lyon auf. Die Anfänge der Arbeitsmedizin reichen allerdings bis in die Antike zurück.So erkannten bereits Ägypter,Griechen und Römer die Wechselbeziehungen zwischen Arbeit und Krankheit im Sinne einer Berufsschädigung.

Speziell für den Bergbau lieferte das Iglauer Bergrecht von 1249 mit Schichtzeitregelung und Beschäftigungsverbot für Jugendliche den ältesten Beleg für Arbeitsvorschriften im Mittelalter.

Der Beginn eines gesetzlichen Arbeitsschutzes und einer Gewerbeaufsicht ist am Anfang des 19.Jahrhunderts zu sehen, als der preußische General Horn sich in einem Bericht an seinen König über die schlechten Musterungsergebnisse in Industriegegenden beklagte.Daraufhin wurden Fabrikinspektoren eingesetzt,die die Arbeitsbedingungen der Arbeiter überwachen und verbessern sollten.

Das Arbeitsmedizinische Institut der Bundesknappschaft (AMI)

Das heutige Arbeitsmedizinische Institut am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen entstand Mitte der 50er Jahre.Sein Ursprung geht auf den damaligen Chefarzt der Inneren Abteilung,Priv.-Doz.Dr.Max Carstens,zurück.

Dieser beschäftigte sich intensiv mit der Ursachenforschung, Verlaufsbeobachtung und Entwicklung therapeutischer Maßnahmen bei der Entstehung berufsbedingter Lungenkrankheiten von Bergleuten im Steinkohlenbergbau. Als Ergebnis umfangreicher Reihenuntersuchungen gelang ihm der Nachweis für den Zusammenhang zwischen beruflichen Faktoren und dem im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung vorzeitigen Auftreten von Lungenfunktionsstörungen bei Bergarbeitern.

Nach dem Tod von Dr.Carstens übernahm der spätere Chefarzt Dr.Otto Brinkmann 1967 die Abteilung. Um den Hauptaufgaben des Arbeitsmedizinischen Institutes – Diagnostik, Begutachtung und wissenschaftliche Erforschung von Berufskrankheiten,insbesondere der Staublungenerkrankung der Bergarbeiter – besser gerecht werden zu können,wurde das Lungenfunktionslabor kontinuierlich ausgebaut und erweitert.

Auf Betreiben der Industriegewerkschaft Bergbau erfolgte die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft,die eine langjährige Feldstudie auf Anweisung des Bundesarbeitsministeriums durchführte.Gemeinsam mit sieben Hochschulinstituten erforschte das AMI ab 1965 in einer epidemiologischen Untersuchung die Frage nach Ursache bzw.Beeinflussung von chronischer Bronichitis und Lungenemphysem,speziell durch Staub,Reizgase und Hitze am Arbeitsplatz.Etwa 13.000 Probanden aus verschiedenen Industriezweigen wurden untersucht.Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden nicht nur national,sondern auch auf europäischer Ebene,insbesondere von der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, gewürdigt und führten schließlich zur Anerkennung der Berufskrankheit „chronisch obstruktive Bronchitis und Emphysem von Bergleuten/BK-Nr.4111 “.Daraus resultierten Rentenansprüche für die Betroffenen.

Die Forschungsarbeiten des Arbeitsmedizinischen Instituts waren nur durch die großzügige Förderung seitens der Montanunion der Deutschen Forschungsgemeinschaft und besonders der Bundesknappschaft möglich.

Bis heute führt das Institut für verschiedene Fachdisziplinen des Knappschaftskrankenhauses,aber auch andere knappschaftliche und fremde Einrichtungen funktionsdiagnostische Untersuchungen durch.

Am 1.August 2002 trat Dr.Norbert Brosch die Nachfolge von Dr.Brinkmann an.