Neue Lebensqualität für 17-jährigen Schlaganfall-Patienten

Neue Lebensqualität für 17-jährigen Schlaganfall-Patienten

Während eines Volleyballspiels bemerkte Rene H. eine plötzlich einsetzende Sprachstörung und Lähmung der rechten Körperseite. Mit Verdacht auf einen Schlaganfall wurde der Jugendliche in das Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen eingeliefert, wo die Verdachtsdiagnose durch das Team um Prof. Dr. Helmut Buchner, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie rasch bestätigt werden konnte.

Bei jungen Erwachsenen findet sich oftmals als alleinige Ursache des Schlaganfalls eine Öffnung zwischen beiden Vorkammern im Herzen, das sogenannte persistierende „Foramen ovale“. Das ”Foramen ovale” schleust im Embryo das sauerstoffreiche Blut aus der Nabelschnur an der Lunge vorbei direkt in die linke Herzkammer und versorgt die Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Nach der Geburt verschließt sich diese Öffnung normalerweise selbständig. Bei bis zu 25% der Menschen lässt sie sich jedoch auch im Erwachsenenalter noch nachweisen. Unter normalen Umständen hat das ”Foramen ovale” keinen Krankheitswert für den Betroffenen, in seltenen Fällen können jedoch Blutgerinnsel in den Beingefäßen über die Öffnung auf die linke Seite des Herzens gelangen und über eine Verstopfung der hirnversorgenden Gefäße zum Schlaganfall führen.

So auch bei dem 17-jährigen Rene. Unmittelbar nach der Diagnosesicherung wurde das Blutgerinnsel bei dem jungen Patienten durch den Chefarzt der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Dr. Christian Loehr, entfernt. Im Laufe des weiteren stationären Aufenthalts bildeteten sich die Lähmungserscheinungen weitestgehend zurück.

In einer interdisziplinären Spezialisten-Gesprächsrunde wurde beratschlagt, wie dem Patienten Rene H. langfristig  ein Zugewinn an Lebensqualität ermöglicht und die Sorge um einen weiteren Schlaganfall genommen werden kann. Neurologe Prof. Dr. Helmut Buchner und Prof. Dr. Cemil Özcelik, Chefarzt der Medizinischen Klinik I für Kardiologie, Gastroenterologie und Diabetologie kamen zu dem Entschluss, dass eine lebenslange Blutverdünnung - heute als Standardtherapie für die Vorbeugung weiterer Schlaganfälle durch verschleppte Blutgerinnsel - für Rene ein zu hohes Blutungsrisiko bedeuten würde. Sie entschlossen sich daher, bei dem 17-jährigen das offene ”Foramen ovale” im Herzkatheterlabor des Knappschaftslkrankenhauses durch ein Verschluss-System, das man sich wie ein Schirmchen vorstellen kann (Amplatzer-Okkluder), zu verschließen. „Der große Vorteil eines solchen Schirmchens liegt darin, dass nach 6 Monaten keinerlei Blutverdünnung mehr notwendig ist“, so der Kardiologie Prof. Dr. Cemil Özcelik.

Nach dem erfolgreichen Eingriff konnte Rene bald die Klinik im Beisein seiner Eltern verlassen. „Solche interdisziplinären Beschlüsse gewinnen aufgrund der immer komplexeren Krankheitsbilder mehr und mehr an Bedeutung“, so Özcelik. „ Wir freuen uns, Rene mit diesem Eingriff vor möglichen weiteren Schlaganfällen zu schützen. Insbesondere bedeutet der Verzicht auf eine lebenslange Blutverdünnung einen weiteren Zugewinn an Lebensqualität“.

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